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Gutachten zur A 39 – eine Mogelpackung

29.02.2016

Wie überzeugend ist das Ergebnis des jüngst vorgestellten Gutachtens der Beratungsfirma CIMA? Versucht sich das Papier tatsächlich an einer ernsthaften Auseinandersetzung mit Sachargumenten? Ein Kommentar des Dachverbands der A39-Gegner, deren Argumente durch das Gutachten widerlegt werden sollten.

Die Wolfsburg AG will für die A 39 werben. Also bestellt sie für 5000 Euro bei dem Gutachterbüro CIMA eine Studie, die wundersamerweise zu dem gewünschten Ergebnis kommt. Und Landräte, die das Gleiche wollen wie die Wolfsburg AG, unter anderem Uelzens Landrat Heiko Blume, bekommen mit großem Tamtam ein Gutachten überreicht, das angeblich die Kritik am Projekt A 39 widerlegt.

Wer sich davon selbst ein Bild machen will, wird allerdings enttäuscht. Das bejubelte Papier ist in den üblichen Medien nicht zu finden. Warum wohl? Warum äußert sich Thomas Krause, Vorstand der Wolfsburg AG, so betont vorsichtig in den Interviews zum Thema?

Liegt es vielleicht daran, dass sich im gesamten, überaus kurz gehaltenen "Gutachten" keine wissenschaftlich zu wertenden Argumente finden, keine neuen Erkenntnisse, keinerlei Ausführungen zur Sache, die die Befürworter der Autobahn nicht schon seit Jahren spazieren führen? Die Autoren betonen selbst, sie hätten keine eigenen Untersuchungen angestellt, sondern lediglich bekannte Daten und Prognosen verwendet.

Was aber wirklich ärgerlich ist: Selbst allgemein anerkannte Gutachten werden falsch wiedergegeben. Hier nur eines von vielen Beispielen:

Die CIMA schreibt: „Aktuelle Studien belegen, dass eine verbesserte Autobahnanbindung in bestimmten Fällen durchaus dazu führen kann, dass sich die regionale Wirtschaft günstiger entwickelt als vorab erwartet. (...) Konkret konnten positive Effekte für den Lückenschluss der A 31 im Emsland, der unter anderem die Anbindung an die dynamischen Oberzentren Oldenburg und Osnabrück verbessert, ermittelt werden (vgl. z.B. Gather/Kosok 2013).“
Liest man aber das entsprechende Gutachten von Prof. Gather, findet man als Fazit zum genannten Sachverhalt Folgendes: „Nahezu alle überprüften Zusammenhänge zwischen den Indikatoren und Determinanten weisen sehr geringe Bestimmtheitswerte auf. Weder die Autobahnen, noch die fernen Ober- und Agglomerationszentren nehmen maßgeblich Einfluss auf die regionalwirtschaftliche Entwicklung.“ Das ist das genaue Gegenteil dessen, was CIMA behauptet!

Die Wolfsburg AG hat der Region mit diesem angeblichen Gutachten keinen Dienst erwiesen. Ein dünnes Papier, das nichts, jedenfalls nichts Seriöses, zur Debatte beiträgt. Die Auftraggeber haben sich bei der Präsentation nicht einmal getraut, jene einzuladen, deren Argumente sie angeblich widerlegen wollen.

Erbärmlicher geht es nicht. Herrn Landrat Blume wünschen wir in Zukunft etwas mehr Glück bei der Auswahl seiner Ratgeber. Quelle: Dachverband KEINE A39

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